Welttag des Buches?
abgelegt im Archiv Veranstaltungen am 24.04.09

Zum heutigen Welttag des Buches haben sich Buchhandlungen, Verlager, Bibliotheken und Schulen viele Gedanken gemacht - leider auch wieder sehr viele oberflächliche. Denn das Buch und seinen Vertrieb "schön zu reden", wie dies der "Börsenverein des Deutschen Buchhandels" mit Vorliebe tut, wird dem Buch nicht gerecht - und den Autoren schon gar nicht.
Das Buch wirft heute mehr Fragen auf, als es beantwortet. Zum Beispiel die, warum sich die Verlogenheit der Groschenromane mittlerweile in die Welt der gebundenen Bücher eingeschlichen hat. Oder warum sich ausgerechnet jene Bücher so gut verkaufen, die gar nicht von den Menschen geschrieben wurden, die als Autoren vom Verlag genannt werden - dass gilt für die meisten Bücher von sogenannten "Prominenten", die man besser als Fernsehberühmtheiten bezeichnen sollte.
Bücher - das steht außer Zweifel - waren früher oft so brisant, dass man sie schmuggeln musste. Der Besitz mancher Bücher konnte einst schweren Kerker bedeuten - und dies durchaus nicht nur bei Büchern politischen Inhalts. Ein Buch, das oberflächlich gar nichts mit Politik zu tun hatte, trug sogar namhaft dazu bei, einen Bürgerkrieg auszulösen. Man erkennt unschwer: Es gab einmal Zeiten, in denen Bücher wirklich einen Wert für die Kultur hatten.
Doch heute? Haben wir alle nicht dazu beigetragen, das Buch abzuwerten, in dem wir jeden Schund kaufen, den uns ein paar aufgeblasene Wichtigtuerinnen und Wichtigtuer wie Sauerbier anpreisen? Wollen wir nicht wahrhaben, dass es überwiegend gebundene Schundliteratur ist, an dem der Buchhandel dank Preisbindung klotzig verdient? Wer einen Buchhändler danach fragt, wird bald hören, dass dies eben die Grundlage des Geschäftes wäre, sonst könne man andere Bücher gar nicht mehr im Sortiment haben.
Was sind Bücher heute noch wert? Gibt es sie überhaupt noch, die Bücher, die ein Bild unserer Zeit unverbrüchlich an die nachfolgenden Generationen weitergeben können? Wer macht sich die Mühe, sie wirklich zu schreiben - und letztlich: Wer wird sie noch lesen wollen? Sollten wir nicht beginnen, literarische Formen zu finden, in denen unser heutiges, eher episodenhaftes Leben auch in Episoden geschildert wird?
Nun gut - es ist Welltag des Buches. Da werden sicher wieder viele schöne Reden in eitlem Selbstlob geschwungen und rosa Luftballons steigen auf. "Achtung! Hier können Sie gewinnen" steht auf der Webseite des Welttages in Deutschland - keine sehr originelle Werbung für diesen Tag, wie mir scheint. So etwas macht der Versandhandel alle Tage.
Bild oben: © CC 2009 Wikipedia - das Buch trug namhaft dazu bei, den amerikanischen Bürgerkrieg auszulösen.

Permalink: Welttag des Buches?
Tags: welttag des buches kritik eigenlob buchhandel
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