Was lange währt, wird endlich gut?

Was lange währt, wird endlich gut?
© Perla*

Bessere Beteiligung für Übersetzer: Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und namhafte deutsche Verlage einigten sich in der vergangenen Woche auf ein neues Vergütungsmodell für die rund 2000 Übersetzer in Deutschland. Diesem muss jetzt noch am 20. September die Mitgliederversammlung des VdÜ, des Verbands der deutschsprachigen Übersetzer, zustimmen.

Sechs Jahre hat es gedauert, um dieses neue Honorarmodell auszuhandeln. Sechs Jahre, in denen zahlreiche Prozesse geführt und kontinuierlich medial die eine wie die andere Seite ob der Unrechtmäßigkeit ihrer Forderung anprangert worden ist.

Man werfe einfach einen Blick in eine beliebige aktuelle Bestseller-Liste um festzustellen, wie sehr unser Lesealltag durch Übersetzungen geprägt ist. Rund 20 Prozent der belletristischen Neuerscheinungen pro Jahr sind "importiert".

Galt bis Anfang des Jahrtausends noch eine pauschale Vergütung pro Zeile oder Normseite, wurde mit 1. Juli 2002 gesetzlich verankert, dass Übersetzern eine angemessene Vergütung für ihre Tätigkeit zusteht. Auf diesem Weg sollte mehr finanzieller Vertrags-Spielraum für diese Berufsgruppe geschaffen werden, z. B. dass Verlage diese beispielsweise zusätzlich an den Umsätzen erfolgreicher Titel beteiligen, oder auch eine Staffelung der Vergütung je nach Anspruch und Schwierigkeit des Textes möglich sein sollte. Doch was bedeutet "angemessen" tatsächlich in der Vergütungspraxis? Verlage und Börsenverein auf der einen und die Übersetzer auf der anderen Seite beschritten nicht selten den Rechtsweg, um jeweils fallweise über "angemessen" oder eben nicht entscheiden zu lassen, denn an den Verträgen zwischen Verlag und Übersetzern änderte das neue "Urhebervertragsrecht" erst einmal nichts.

Der VdÜ prangerte an, dass Übersetzer trotz ihrer hohen Qualifikationen nicht die ihnen entsprechende Vergütung bekämen. Ein sehr gefragter Übersetzer verdiene rund 1000 Euro monatlich. Burkhard Kroeber, selbst renommierter Übersetzer, rechnete in einem Artikel der NZZ vor, wie er, weit entfernt vom kolportierten gehalt eines Studienrats, finanziell über die Runden kommt. Die Mehrzahl sei auf Zusatzjobs, Unterstützung durch Partner etc. … angewiesen. Die Verlage konterten, dass grundsätzlich 80 Prozent aller Neuerscheinungen ein Verlustgeschäft seien. Würden nun auch noch die Honorare der Übersetzer steigen, müsste man die Zahl der übersetzten Bücher reduzieren. Außerdem würde ein nicht geringer Teil der Literaturübersetzer "schlechte bis miserable Qualität liefern". Quelle: übersetzerportal.de

Die neue Vergütungsregelung sieht nun eine geänderte Umsatzbeteiligung bereits ab 5.000 verkaufter Exemplare (bisher 15.000) vor, sowie weiteren Beteiligung an Erlösen aus Taschenbuch, Hörbuch oder elektronischen Ausgaben außerdem an Lizenzerlösen. Damit sollen durch das neue Modell weitaus mehr Übersetzer über die Grundvergütung hinaus an Bucherlösen beteiligt werden, als bisher.


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