
Eine wunderbare Villa soll sie haben – ganz in der Einsamkeit, wohin sie sich stets zurückzieht, wenn ihre goldenen Fingerchen Bücher schreiben – und reich soll sie sein, unermesslich reich.
Autorinnen und Autoren werden verehrt wie Filmstars – so jedenfalls glaubt das Volk, das die Bücher der Autoren liest, die auf Bestsellerlisten stehen. "Sie soll einmal bettelarm gewesen sein", heißt es dann oft, "aber sehen Sie, jetzt hat sie es geschafft".
Ich will niemanden davon abhalten, Schriftsteller zu werden – aber eines ist sicher: Reich wird man dabei normalerweise nicht. Wer gute Drähte zu den Auftraggebern hat (die wenigsten davon sind Buchverleger) kann vielleicht seinen Lebensunterhalt davon bestreiten, wenn er sparsam lebt. Der Rest schlägt sich so durch. Die meisten Leser populärer Romane ahnen nicht, was alles geschrieben werden muss: Bedienungsanleitungen, Schulungsunterlagen, Katalogeinträge … um nur einige zu nennen – und alle müssen möglichst perfekt sein.
Vom Schriftsteller wird alles erwartet, was andere Menschen nicht tun: Ein halbes Dutzend Male über das gleiche Thema zu schreiben, beispielsweise – nur jeweils für ein anderes Zielpublikum. Manche Auftraggeber wollen bewusste Falschschreibungen, ander hauseigene Ausdrücke, bei wieder anderen müssen bestimmte Wörter immer vermieden werden.
Nein, ich beklage mich nicht. Aber bevor Sie Schriftsteller werden wollen – überlegen Sie es sich noch einmal sehr, sehr gut.