Tschingis Aitmatow 1928 – 2008

Der weltweit bekannte Schriftsteller Tschingis Aitmatow ist gestern 79jährig im Nürnberger Klinikum an den Folgen einer schweren Lungenentzündung gestorben. Er zählte zu den populärsten Schriftstellern der ehemaligen Sowjetunion, seine Werke wurden in rund 150 Sprachen übersetzt. Wichtiger und für die Leser faszinierender Bestandteil seiner Erzählungen waren die von Aitmatow darin kunstvoll eingeflochtenen Mythen und Legenden aus seiner kirgisischen Heimat. Seinen internationalen Durchbruch als Schriftsteller erlebte der gelernte Viehzüchter Aitmatow 1958 mit der Erzählung "Dshamilja", die er als Abschlussarbeit am Moskauer Gorki-Literaturinstitut verfasst hatte. Die Geschichte über die Liebe einer verheirateten Kirgisin zu einem verwundeten Soldaten zählt wohl zu den schönsten Liebesgeschichten aller Zeiten. Anfang der 70er Jahre löste sich Aitmatow zunehmend von der propagierten Poetik des Sozialistischen Realismus' und schlug kritischere Töne an.

"Sein Perestroika-Roman "Die Richtstatt" (1987) schürte wie kaum ein anderes Buch in der Vorwendezeit in der DDR die Hoffnung auf einen politischen Umbruch. Hier kamen im Sozialismus tabuisierte Themen wie Drogen und Kriminalität und die Kritik an der Planwirtschaft zur Sprache. Aitmatow wandte sich stets gegen Globalisierung, Massenkultur und Marktwirtschaft."Passauer Neue Presse

Im Vorjahr war Aitmatow auf der Leipziger Buchmesse von den Lesern noch stürmisch gefeiert worden. Er stellte dort seinen jüngsten Roman "Der Schneeleopard" vor. Aitmatow war seit 1995 Abgeordneter des kirgisischen Parlaments. Zuletzt war er als botschafter in Brüssel und Frankreich und als Delegierter bei der UNESCO. Zu Ehren des Autors plant Kirgistan die Verleihung eines Aitmatow-Nationalpreises, mit dem herausragende Vertreter der kirgisischen Kultur ausgezeichnet werden sollen.


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