"Bei diesem Buch habe ich einen Punkt gefunden, an dem ich es nicht für möglich gehalten habe, weiterzuerzählen." Michael Köhlmeier
Seit gestern erhältlich: "Idylle mit ertrinkendem Hund", das neue Buch des österreichischen Autors Michael Köhlmeier. Eine Novelle über den Schmerz eines Vaters über den Tod seiner Tochter.
Im vergangenen Jahr hat es Michael Köhlmeier mit seinem Epochenroman "Abendland" bis in die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft. 2008 wurde er nun für die nicht ganz ernst gemeinte Gegen-Ausschreibung von Börsenblatt und "Schotts Sammelsurium" nominiert, in der die "Kuriosesten deutschsprachigen Buchtitel 2008" gesammelt werden und die zeitgleich mit der "richtigen" Longlist gestern veröffentlich wurde. Unter den "Kuriosa": Michael Köhlmeiers Neuerscheinung "Idylle mit ertrinkendem Hund".
Es ist ein sehr leises, sehr persönliches Buch, das Köhlmeier da geschrieben hat, steht doch die Trauer und der unfassbare Schmerz eines Schriftstellerpaares im Mittelpunkt, deren 21jährige Tochter tödlich verunglückt ist. Im Sommer 2003 verunglückte Paula, die Tochter von Michael Köhlmeier und Monika Helfer tödlich während eines Spaziergangs.
Im Buch erhält das Schriftstellerpaar, das seit dem Unglück keinen Schlaf mehr findet, in ihrem Haus in Hohenems Besuch von einem Lektor. Der freundet sich auf einem Spaziergang mit einem streunenden, großen, schwarzen Hund an. Als Lektor und Schriftsteller am darauf folgenden Tag gemeinsam am Fluss unterwegs sind, taucht der Hund erneut auf, läuft über das Eis – und bricht ein. Der Schriftsteller setzt alles daran, den Hund zu retten. "[...] der Tod hat vor einigen Jahren eine so tiefe Wunde in sein Herz geschlagen, dass er ihm unter keinen Umständen dieses Leben überlassen will. Er hält den Hund verzweifelt fest, auch als der sich schon längst nicht mehr rührt."
"Idylle mit einem ertrinkendem Hund" ist ein Versuch die Sprachlosigkeit zu überwinden, die durch den Tod entstanden ist. "Ich glaube doch, dass es mir [in diesem Buch] gelungen ist, den Raum des Erzählbaren zu vergrößern", resümiert Köhlmeier im ORF-Interview . Auch wenn er sich schreibend nur indirekt, via Blick in einen Spiegel, der Vergangenheit annähern kann. "Der Kern der Geschichte ist der Tod unserer Tochter. In diesen Bereich kann ich nicht so ohne weiteres direkt mit offenen Augen hineinblicken. Da brauche ich einen Spiegel."
"Das ist DAS Buch des Vaters über Paula Köhlmeier geworden. Obwohl gar nicht oft von ihr die Rede ist. Man spürt sie zwischen den Zeilen, vielleicht verliebt man sich sogar in sie. Viel spürt man beim Lesen. Trotz dichterischer Freiheiten, trotz der beherrschenden Hunde-Geschichte wird es derart persönlich, dass man sich in Köhlmeiers Haus und Kopf bewegen kann., ohne je dort gewesen zu sein. Interpretationen sind möglich, nicht notwendig. Die Novelle drängt sich nicht auf. Sie berührt einfach." Tageszeitung Kurier
Hier gibt es eine Leseprobe.
Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund. Deuticke 2008.