Thomas Mann-Festival im Sommerhaus
abgelegt im Archiv Veranstaltungen am 16.06.08

© schlaeger
Seit 1996 ist das litauische Nida jährlicher Schauplatz eines Festivals zu Ehren Thomas Manns. Vom 12. bis 19. Juli findet 2008 bereits die 12. Neuauflage der zweisprachig, auf Deutsch und Litauisch abgehaltenen Veranstaltung statt. "Kulturlandschaften Mare Balticum" ist das diesjährige Thema. Im Blickpunkt der Vorträge stehen identität und Wandel der Kulturlandschaft der Ostsee im 21. Jahrhundert.
Wie kommt ein Thomas Mann-Festival ausgerechnet in den 2000 Einwohner fassenden Kurort Nida (auf Deutsch: Nidden)?
Hier kehrten der Nobelpreisträger und ein Teil der Familie Mann von 1930-1932 im eigenen kleinen Haus, errichtet auf dem "Schwiegermutterberg", zur Sommerfrische ein. Nida liegt unmittelbar an "der Kurischen Nehrung", einer schmalen, zirka 98 Kilometer langen Landzunge, auch unter dem Namen "Litauische Sahara" bekannt (davon 52 Kilometer auf litauischer, der Rest auf russischer Seite). Die gewaltigen Sanddünen gehören mittlerweile zum UNESCO-Welterbe. Der Ort Nidden war einst ein verträumtes Fischerdorf, bis er von Künstlern, wie Max Pechstein oder Lovis Corinth entdeckt wurde. Sie wohnten alle im Hotel des "Künstlervaters", Herrmann Blode - und Thomas Mann drei Jahre zur Sommerfrische im eigenen Haus mit dem berühmten "italienischen Blick". Dort arbeitete er an seiner Tetralogie "Joseph und seine Brüder" und verfasste 1932 die Polemik gegen den aufkeimenden NS-Terror "Was wir verlangen müssen".
Dem litauischen Schriftsteller Antanas Venclova ist es zu verdanken, dass das ehemalige Sommerrefugium, welches gegen Kriegsende von einer Granate getroffen worden und vom Abriss bedroht war, 1967 in eine Gedenkstätte umgewandelt wurde. Seit 1987 werden hier Thomas-Mann-Seminare abgehalten, 1995 wurde schließlich das Haus zum Sitz eines Kulturzentrums, das sich als Kulturbegegnungsstätte deutscher, litauischer und internationaler Kultur versteht. Von dem einstigen Mobiliar der Familie Mann ist nichts mehr erhalten, zahlreiche Fotos und Dokumente der Dauerausstellung "Thomas Mann - Leben und Werk" vermitteln jedoch einen Eindruck der damaligen Atmosphäre und machen aus dem ehemaligen Sommerhaus heute das meistbesuchte Museum Litauens
Jährlich, eine Juli-Woche lang, findet seit 1996 das Thomas Mann-Festival in Nida statt, jedes Jahr unter einem anderen Motto, mit Lesungen, Podiumsdiskussionen und Konzerten. Seither wird auch stets eine Auftragskomposition beim Festival uraufgeführt, in diesem Jahr ist ein Werk der litauischen Komponistin Justė Janulytė (Jahrgang 1982) zu hören, neben Musik aus Norwegen, Indien und Frankreich. Als Referent ist u.a. Björn Engholm geladen. Der Lieblingsenkel Thomas Manns, Frido Mann, wird seine Autobiografie "Achterbahn" vorstellen. Dass das Festival begleitende Filmprogramm ziehe seit einigen Jahren verstärkt junge Zuschauer an, berichtet HL-live.
Als Veranstaltungsort wird für das Thomas Mann-Festival nicht nur das kleine, blau gestrichene, reetgedeckte Sommerhaus bespielt, sondern ebenso die Dorfkirche, es gibt Kinonächte im Freien bei Nidas-Leuchtturm oder es wird auch die nahe gelegene Dünenlandschaft miteinbezogen. Letztere bietet eine imposante Naturkulisse, befindet sich dort mit 60 Metern doch die zweithöchste Düne Europas.
Informationen über das Thomas Mann-Kulturzentrum und auch das diesjährige Programm gibt es hier
Ein wenig Lokalkolorit aus der Zeit Thomas Manns in Nida liefert Brigitte Jäger-Dabek in ihrem Beitrag "Onkel Toms Hütte".

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Permalink: Thomas Mann-Festival im Sommerhaus
Tags: Thomas Mann Festival Nidden Nida Litauen Kuhrische Nehrung
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