Schweiz: Rückkehr der Buchpreisbindung

Schweiz: Rückkehr der Buchpreisbindung
© Fr Antunes

In einer "Zitterpartie" wurde am vergangenen Montag durch das Votum der Wirtschaftskommission der Weg für ein neues Preisbindungsgesetz für Bücher geebnet, das unter Umständen im Frühjahr nächsten Jahres im Parlament verabschiedet werden kann.

Vor etwas mehr als einem Jahr, im Mai 2007, wurde die Buchpreisbindung, ungeachtet der Proteste der Verleger, vom Schweizer Bundesrat gekippt. Der Entscheidung vorangegangen waren mehrjährige Streitigkeiten.

Billiger sollten Bücher werden, hieß es damals, kauften doch Schweizer nur zu gerne in Ã-sterreich und Deutschland zu deutlich günstigeren Konditionen auch Bücher ein. Auf der anderen Seite wurde orakelt, dass ohne Preisbindung viele Schweizer Buchhandlungen wohl schließen müssten.

Was regelt eigentlich das Buchpreisbindungsgesetz? Dieses Gesetz verpflichtet den Handel, neue Titel ausschließlich zu einem verbindlich festgelegten Preis zu verkaufen. Diese Regelung gilt für die Kleinbuchhandlung ebenso wie für die großen Buchhandelsketten und zwar flächendeckend innerhalb eines Landes. Dabei fixiert die Buchpreisbindung den Preis in eine Richtung, nämlich zum Kundenseite. Die Händler wiederum stürzen sich mit den Verlagen in die große Rabattschlacht, wenn sie denn können. Und dabei tun sich die großen Ketten mit ihrem dichten Filialnetz natürlich um einiges leichter.

"Während sich kleine Buchhändler bei Direktbestellungen mit Nachlässen von 40 bis 47 Prozent vom Endpreis zufrieden geben müssten, setzten die Ketten immer häufiger Rabatte von 50 Prozent durch", war bereits 2006 in der ZEIT zu lesen. Der Autor des Artikels ortete daher in Deutschland, trotz Buchpreisbindung, bereits das Aussterben des kleinen Sortimentbuchhändlers – die Preisbindung würde nichts verhindern, sondern diesen Prozess nur verlangsamen.

Die Buchhandelskette Ex Libris reduzierte in der Schweiz die Verkaufspreise für Bestseller um 30%. Die Auswirkungen: deutliche Umsatzverschiebungen bei den Verlagen, wie Diogenes-Geschäftsführer Stefan Fritsch auf einer Podiumsdiskussion bekannt gab: "Mit den unabhängigen Buchhandlungen machen wir 40 Prozent weniger Umsatz, dafür haben wir massive Umsatzzuwächse bei Ex Libris." (Quelle: Börsenblatt)

Die Handelszeitung zitiert den Diogenes Geschäftsführer folgendermaßen:"Von drei bis fünf Bestseller-Titeln verkauft Ex Libris aufgrund ihrer Rabattangebote wesentlich mehr als früher", so Diogenes-Geschäftsführer Stefan Fritsch. "Hier findet eine Verlagerung der Absätze von den Kleinen auf die Grossen statt."

Und während sich Ex Libris-Chef Peter Bamert, aufgrund der günstigen Bestseller-Angebote zum Robin Hood der Kunden und Leser ernannte, hielt Hanspeter Büchler, CEO der Buchhandelskette Thalia (ebenfalls in der Handelszeitung) dagegen: "Die Aufhebung der Buchpreisbindung hat dazu geführt, dass Bestseller billiger, Bücher insgesamt aber teurer wurden. Das ist nicht im Interesse der Kunden."

Billige Besteller – teurer "Rest": Die Welt kommentierte diese sich abzeichnende Entwicklung 2007 folgendermaßen:

"Erfreulich sind die Schweizer Laborstudien dennoch nicht, denn letztlich stellen sie die berühmte Mischkalkulation wohl auf den Kopf. Sie bedeutet hierzulande bislang, weniger erfolgreiche, vielleicht besonders anspruchsvolle Titel mit Hilfe von besonders erfolgreichen, vielleicht weniger anspruchsvollen Titeln querzufinanzieren. Das Gesetz der Rabattschlacht lautet anders: Hier muss ein teurer Cervantes für einen billigen Crichton bezahlen."

Aktuelle Zahlen für die Schweiz sprechen von einem durchschnittlich gestiegenen Listenpreis für Bücher von um 6,8 Prozent und zwar von März 2007 bis März 2008. Gründe lägen im erhöhten Wechselkurs zum EURO, aber auch in der Querfinanzierung der billigeren Bestseller. (Quellen: Hamburger Abendblatt und Buchreport )

Die Reaktionen innerhalb der Schweiz auf die Entscheidung der Wirtschaftskommission vom vergangenen Montag waren geteilt. Ex Libris Geschäftsführer Peter Bamert vermutete beispielsweise, dass nach Rückkehr der Buchpreisbindung "die Konsumenten in der Deutschschweiz in Zukunft deutlich mehr für ihre Bücher zahlen als heute." "Diese Entscheidung ist ein wichtiges Signal für den Erhalt der kulturellen Vielfalt auf dem gesamten deutschsprachigen Buchmarkt", betont hingegen Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. für ihre Bücher zahlen als heute". Quellen: Börsenblatt und Deutsch Verbände Forum

Und wie leicht lassen sich die Uhren in der Schweiz zurückdrehen, denn bis zum neuen Gesetz 2009 tickt die buchpreisbindungsfreie Zeit in der Schweiz unaufhaltsam weiter?
Marianne Sax, Präsidentin des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbandes, gibt im Börsenblatt darauf folgende Antwort: "Genau deshalb würden wir uns wünschen, dass das Gesetz die Grenzen nicht zu eng zieht. Bei Bibliotheksrabatten könnten wir uns einen größeren Spielraum vorstellen als bislang im Sammelrevers. Und auch beim Verkauf an den Endverbraucher sollte aus unserer Sicht ein Zu- oder Abschlag von fünf Prozent möglich sein. Schließlich haben viele Buchhändler nach dem Fall der Preisbindung Kundenkarten eingeführt – die kann man jetzt nicht wieder einkassieren."

Für die NZZ hingegen ist das Tauziehen um die Buchpreisbindung ein vernachlässigbarer Nebenschauplatz. Denn:
"Ernsthafte Gefahren für ihre [der Buchbranche] Strukturen drohen hingegen von anderer Seite. Neue Herstellungsprozesse (Print on Demand), neue Vertriebswege im Internet und die Verdrängung des gedruckten Buches durch das E-Book heissen einige der Herausforderungen, die auf Verlage und Buchhandel zukommen."

In Frankreich ist – vorerst – die geplante Novellierung zur Aufhebung der Buchpreisbindung vom Tisch. Die Buchpreisbindung wurde hier 1981 eingeführt.


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