
… so lautet der Titel des (witzigen und nützlichen) Schreibratgebers von
Stephan Waldscheidt. Und falsch machen kann man beim Schreiben seines Romans eine ganze Menge. Wie haben es nur all die anderen geschafft, fragt man sich, beim verzweifelten Kampf mit dem Manuskript und schielt neidvoll auf all die erfolgreichen Schriftsteller …
Aber auch die haben einmal als Unbekannte anfangen müssen, sich ihre Reputation erst zu erschreiben. Thomas Hürlimann ist einer DER anerkannten zeitgenössischen Autoren, nicht nur innerhalb der Schweiz. In seinem aktuellen Buch "Der Sprung in den Papierkorb" gibt der erfolgreiche Schriftsteller Einblicke in seine Schreibanfänge.
"Die erste Hürde ist der Deutschlehrer, der ihm nicht glaubt, dass er seinen Text selber geschrieben habe. Die Lebensgefährtin, die ihn ein «Riesenarschloch» nennt, seine Schreibkünste aber bewundert, ist eine weitere, der Uni-Dozent, der ihn nicht in seinen elitären philosophischen Zirkel aufnehmen möchte, eine dritte." Quelle: Frankfurter Neue Presse
Gleich 92 Autorinnen und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum erinnerten sich für Renatus Deckert zurück an "Das erste Buch. Schriftsteller über ihr literarisches Debüt". Nicht immer war das Debüt von Erfolg gekrönt. Bei manchen, heute überaus renommierten SchriftstellerInnen, wurde nur eine kleine Auflage gedruckt und Einzelexemplare können lediglich über Antiquariate noch aufgestöbert werden. Und auch das "Wiederlesen" machte nicht allen Spaß… Aber aus der Perspektive des anerkannten Autors, fällt es natürlich ein wenig leichter, mit retrospektiver Selbstkritik gerade NICHT zu geizen.
Und wie schafft man es nun selbst, seinen Erstling (ob gut oder schlecht) überhaupt einmal zu Ende zu schreiben? Louise Doughty begleitet alle Unerschrockenen mit ihrem Buch A Novel in a Year 52 Wochen lang auf dem Weg zum ersten eigenen Roman.
"Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, eine Schriftstellerin zu sein, die noch nichts veröffentlicht hat: Man beißt sich mehr schlecht als recht durch und kommt mit Leuten in Kontakt, die ausgesprochen abweisend sein können. Und obwohl ich nun Teil dieser Branche bin, die sich manchmal Neulingen gegenüber wie eine uneinnehmbare Festung präsentiert, stehe ich instinktiv eher auf der Seite derer, die versuchen, die Mauern zu erklimmen."
Autorin Louise Doughty, im März erschien ihr fünftes Buch auf Deutsch ("Die Wiege aus Stein"), wurde für ihre Kurzgeschichten und Hörspiele mehrfach ausgezeichnet. 2006 schrieb sie für den Daily Telegraph ein Jahr lang eine Kolumne mit dem Titel "A Novel in a Year"- der Erfolg war enorm, auch wenn sie in ihren wöchentlichen Ratschlägen für angehende AutorInnen nichts beschönigte:
"Im ersten Beitrag der Reihe erklärte ich vorsichtshalber, dass sich unerfahrene Teilnehmer besser auf drei Jahre einrichten sollten. Ich hoffte, dass die Leser, die die Kolumne von nun an regelmäßig verfolgen wollten, verstünden, was ich anstrebte: Dass sie nicht unbedingt nach einem Jahr ein fertiges Buch in der Hand halten würden, sondern, wenn sie meinem Rat folgten, einen Eindruck von dem Entwicklungs- und Schreibprozess bekommen und am Ende eine Menge Rohmaterial in den Händen halten würden, aus dem eines Tages vielleicht ein Erstentwurf entstehen könnte. Dass mein Konzept einem angehenden Autor, der bisher noch nicht gewagt hatte, sich auf ein solches Unternehmen einzulassen, ein erreichbares Ziel bot und er sich vornehmen konnte, in diesem einen Kalenderjahr das eine oder andere zu opfern, um anschließend Bilanz zu ziehen, was er in dieser Zeitspanne erreicht hatte."
Jede Woche stellte sie einen anderen Aspekt des Schreibens vor, verbunden mit konkreten Übungsaufgaben. Dabei durfte man sich jedoch von ihr keine Anleitung erwarten, die einen sofort Kapitel um Kapitel weiter vorwärts bringt:
"Die Leser meiner Kolumne würden am Ende sieben von zwölf Monaten damit verbracht haben, relativ unorganisiert zu schreiben, aber ich hatte den Eindruck, dass diese Phase notwenig war. Bildhauer brauchen einen Holzblock oder Stein oder Ton, und auch Schriftsteller brauchen Material, bevor sie beginnen können, es zu gestalten."
Neugierig geworden? Novel in a Year gibt es nicht nur als Buch, sondern auch Online . Der "Kurs" startete Anfang dieses Jahres, bis zur 32. Kalenderwoche sind damit schon alle Wochenlektionen online und bis Ende 2008 werden die gesamten 52 Kolumnen auf der Homepage abrufbar sein.