
Frisch abgestaubt: Adeles Backlist III
Wenn sich große Kreativitätsblockaden auftürmen und mich komplett lahm zu legen drohen, dann hilft zuweilen nur ein langsamer Schritt für Schritt Prozess: Stück für Stück die Stolpersteine freilegen und dann einen nach dem anderen zur Seite rollen, bis die schöpferische Energie wieder ungehindert fließen kann.
Julia cameron liefert in ihrem Buch das passende Notfallkit: "Der Weg des Künstlers" ist ein zwölf Wochen-Programm zur wirkungsvollen Aktivierung der Kreativität.
EIGENTLICH
beäuge ich Kreativitätsbücher eher skeptisch und wenn dann noch eines in der Esoterik-Ecke des Buchladens steht, mache ich gleich einen nochmals so großen Bogen darum. Dass ich Julia Camerons Buch, als es auf Empfehlung in meinem Bücherstapel landete, dennoch mit großer Begeisterung gelesen habe – und es auch nach Jahren noch immer wieder gerne zur Hand nehme – ist gar nicht so einfach zu erklären.
ZUNÄCHST
einmal: Für wen schreibt Julia Cameron dieses Buch? Ob bildende Künstlerin, Schriftsteller, Drehbuchautorin, Schauspieler …: Sie alle nimmt die Journalistin, Drehbuchautorin und Filmemacherin Julia Cameron in ihrem zwölf Wochen-Programm an die Hand. Und dabei ist es völlig unerheblich, ob sich der Leser bereits aktiv in einem der Bereiche als Künstler betätigt hat oder sich nur wünscht, bisher unentdecktes kreatives Potenzial zu wecken und auszubauen.
WICHTIGER
wie wirkungsvoller Eckpfeiler in ihrem "spirituellen Pfad zur Aktivierung der Kreativität" – so der Untertitel des Buches – sind die Morgenseiten. Damit ist nichts anderes gemeint als ein "den Kopf frei bekommen" – und zwar zu Beginn eines jeden Tages, bevor man sich der (kreativen) Arbeit widmet. Während der Buddhismus die "Leere" propagiert – das heißt in einem meditativen Zustand der absoluten Leeren zu gehen, um sich so frei zu machen vom Druck etwas produzieren zu müssen – empfiehlt Julia Cameron hierfür das Schreiben der Morgenseiten: Den ungeordneten Gedankenfluss unzensiert zu Papier zu bringen, auch wenn es noch so sinnlos erscheint, bis sich irgendwann die Dinge wie von selbst ordnen, beruhigen und man klarer zum eigentlichen Kern des Gedanken-Chaos' durchdringen kann. Dermaßen gedanklich entmüllt und neu geordnet, lassen sich manche Dinge gleich viel strukturierter und angstfreier und eventuell sogar mit dem notwendigen frischen Kick starten, der bisher gefehlt hat.
KAPITELWEISE
legt Julia Cameron dann mögliche Kreativitäts-Hemmnisse frei. Und das in einer Mischung aus handfest lebensklugen Beobachtungen, verknüpft mit spirituellen Andockpunkten, denen man folgen mag, aber nicht muss und einem netten Mix dazu passender, inspirierender Zitate berühmter Persönlichkeiten. Jedes Kapitel schließt mit verschiedenen Übungsaufgaben ab, die innerhalb 1 Woche zu erledigen sind, bevor es dann weiter geht mit der Detektiv-Arbeit und dem darauf folgenden Kapitel – immer dichter auf der Fährte der verschütteten Kreativität.
EINFACH
ermutigend ist Julias Camerons Ausgangspunkt nicht zu bewerten oder zu hinterfragen, ob und wenn ja wie viel Talent vorhanden ist, sondern ausnahmslos jedem Menschen Kreativität zu unterstellen. Sie will mit ihrem Buch unterstützen, dass man diese schöpferische Energie einfach zulässt. Was sich daraus entwickelt, bleibt jedem selbst überlassen.
1996 erstmals in deutscher Übersetzung erschienen ist das Buch Julia Camerons in xter Auflage nach wie vor im regulären Buchhandelssortiment erhältlich. Julia Cameron: Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität, Knaur.
Leseproben auf englisch gibt es hier.