Neuerscheinung: Der Flick-Konzern im Dritten Reich

"Ich protestiere gegen die Tatsache, dass in meiner Person Deutschlands Industrielle vor der ganzen Welt als Sklavenausbeuter und Räuber verleumdet werden". Friedrich Flick 1947.

Am 22. Dezember 1947 verurteilte das amerikanische Militärtribunal in Nürnberg den Großindustriellen Friedrich Flick zu sieben Jahren Haft. Flick, der zwischen 1933 und 1945 zu einem der größten Lieferanten der Wehrmacht aufgestiegen war, wurde darüber hinaus zur Last gelegt, mehr als 40.000 Zwangsarbeiter in den Flick-Werken eingesetzt zu haben. Der NSDAP ließ er von 1933 an insgesamt 7,65 Millionen Mark an Spendengeldern zukommen. 1950 wurde Friedrich Flick vorzeitig begnadigt und schaffte es durch Beteiligungen an Daimler-Benz und Gerling wie auch als Stahl- und Industriemagnat zeitweilig unter die Top 5 der reichsten Männer der Welt.

Jetzt hat das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin ein Buch veröffentlicht, das sich mit der Geschichte des Flick-Konzerns während des Dritten Reichs beschäftigt. Die Autoren haben, so schreibt die Berliner Literaturkritik durch umfangreiche Recherche in den Archiven von fünf Ländern eine Reihe neuer Fakten zusammengetragen.

So korrigieren die fünf Buchautoren Johannes Bähr, Axel Drecoll, bernhard gotto, Kim C. Priemel und Harald Wixforth beispielsweise drastisch die bisher angenommene Zahl der innerhalb der Flick-Werke beschäftigten Zwangsarbeiter nach oben.

"In den Flick-Werken wurden während des Krieges nach Schätzungen der Autoren rund 100.000 Zwangsarbeiter beschäftigt. In manchen Betrieben des Flick-Konzerns lag ihr Anteil bei bis zu 85 Prozent. Zweifel und Skrupel spielten dabei keine Rolle. "Die Leute in den Führungsetagen wussten, was abläuft und kannten auch die Lebensbedingungen der Arbeiter", sagt Gottos Kollege Axel Drecoll."

Weiter heißt es:
"Friedrich Flick erzielte im Dritten Reich Erfolge, wie sie kein anderer Eigentümerunternehmer erreichte." Vorrangige unternehmerische Ziele seien "Expansion und Machtzuwachs" gewesen. Dabei sei er "extrem kaltschnäuzig" vorgegangen, stellt Mitautor Bernhard Gotto klar. Im Mittelpunkt habe das Machbare gestanden, die moralischen und ethischen Dimensionen seines Handelns habe er ausgeblendet."

Johannes Bär, Axel Drecoli, Gotto Bernhard, Kim C. Priemel, Harald Wixforth: Der Flick-Konzern im Dritten Reich. Herausgegeben durch das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin. Verlag Oldenbourg.


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