
Schade eigentlich, dass es bei der Kanonbildung in der deutschen Literatur nicht um Sympathie oder Antipathie geht. Denn dann wäre die Familie Mann sicherlich nicht annähernd so populär geworden. Distinktion wohin das Auge reicht, Stil , Etikette, Strenge – nein, die Biographien der Lübecker Upper-Class-Familie sind einerseits zahlreich andererseits aber oftmals durch und durch unsympathisch.
Mit einer Ausnahme: Nelly Mann, die bislang aber stets ein Kellerdasein gefristet hat. Nelly war die Frau Heinrich Manns und hat es nie geschafft, in der Familie akzeptiert zu werden. Die Berliner Literaturkritik formuliert es recht pointiert:
Er war fast 30 Jahre älter und ein intellektuelles Schwergewicht, sie galt als blondes Dummchen. Ihre Schwägerin Katia begegnete ihr herablassend. Thomas strafte sie mit Geringschätzung. Nur Heinrich hielt zu ihr bis zuletzt.
Nun hat sich Kirsten Jüngling an die längst überfällige Biographie der ehemaligen Animierdame gemacht. Ich sage nur: Sex, Drugs and Rock´n Roll, auch wenn es den damals noch nicht gab. Nelly lebte kurz (1898 bis 1944) aber sicherlich intensiv.
Titel der Biographie: "Ich bin doch nicht nur schlecht." Nelly Mann – Die biografie. Propyläen, Berlin 2008. 239 S., 22,90 €.