Mit Senf und Gummibärchen ins Märchenland
abgelegt im Archiv Hörbücher am 31.05.08

Frisch abgestaubt: Adeles Backlist I
Gab es bei Autor und Zeichner Walter Moers ein Leben vor dem sagenhaften Kontinent Zamonien, Käpt'n Blaubär und den Comics vom "Kleinen arschloch"? 1987 erschien im Beltz & Gelberg Verlag ein kleines, rund 50 Seiten starkes Buch. Der Titel: Die Schimauski-Methode. Der Inhalt: Eine Sammlung von Beiträgen, die Walter Moers für das Kindermagazin Der Bunte Hund gezeichnet und geschrieben hat.
Eine komplett eingerichtete 4-Zimmer-Wohnung, die sich im Inneren des Toasters versteckt, Nervensägen mit Kneifzangen und Pieksstachel, Sandkästen, in denen ab 21.30 Uhr erst so richtig die Post abgeht: Professor Dr. Albert Schimauski geht diesen und weiteren merkwürdigen Phänomenen des Alltags unerschrocken auf den Grund, denn "wozu hat man Abitur?" In sieben Interviews mit Lydia Lindmaus beweist der geniale Forscher mit der modisch geknoteten Fliege ein ums andere Mal: Es gibt für alles eine ganz logische, rein wissenschaftliche Erklärung, so dass sich niemand mehr mit Vermutungen begnügen oder gar die eigene Vorstellungskraft bemühen muss.
Ein Beispiel gefällig? Hinter der titelgebenden Schimauski-Methode steckt nichts Geringeres als eine vom Professor erarbeitete Technik, die jedem einen Direkt-Zugang ins Märchenland beschert. Denn dass die Geschichten der Gebrüder Grimm nicht einfach ausgedacht sein können, ist für Schimauski ein klarer Fall, weil "so viel Phantasie kann man ja gar nicht haben!" Seine brillante Schlussfolgerung: Das Märchenland existiert und demzufolge muss man auch dorthin reisen können. Eine kleine Kostprobe der von Schimauskis Superhirn ersonnenen, wissenschaftlich höchst fundierten Methodik findet sich hier.
Eine blühende Phantasie im allerbesten Sinne des Wortes: Walter Moers' unglaubliches Talent für kurios-witzige Geschichten blitzt auch schon in der Schimauski-Methode in jeder Zeile und Zeichnung hervor, zum Vergnügen für alle Altersklassen. Natürlich gibt es einen vertrauten Alltag mit so schnöden Dingen wie Nahrungsaufnahme, die selbstverständlich ausgewogen sein sollte, Armbanduhren, die wieder aufgezogenen werden müssen und Kindern, die Zahnschmerzen haben. Aber was sich dahinter eigentlich verbirgt, ist ein ebenso abstruses wie fantasievoll-liebenswertes Universum, in dem sich Schimauski so furchtlos wie völlig unaufgeregt bewegt und der Leser darf ihm dabei staunend und bestens unterhalten über die Schulter blicken.
Das Buch bei Beltz & Gelberg ist leider vergriffen und meist nur noch zu Sammlerpreisen erhältlich. Alle sieben Schimauski-Interviews gibt es jedoch seit 2002 auf einer Hör-CD, gelesen von Ilona Schulz und Robert Missler, erschienen bei Hörcompany.

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Tags: Walter Moers Kinderbuch Schimauski
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