Madame Bovary als Latina?
abgelegt im Archiv Romane am 09.04.08

© (A3R) angelrravelor (A3R)
Es ist schon ein wenig nervig, stets an großen literarischen Vorbildern gemessen zu werden. Denn wenn man von einer gelangweilten Ehefrau spricht, die von gesellschaftlichen Konventionen beengt wird und schließlich einen Ausbruchsversuch unternimmt, dann kommt uns sofort Gustave Flauberts "Madame bovary" in den Sinn. Okay: Auch Fontanes "Effi Briest" oder Tolstois "Anna Karenina" teilen dieses Schicksal doch offensichtlich handelt es sich hier um kein rein europäisches Phänomen.
Die österreichische Tageszeitung "Der Standard" berichtet über einen geradezu kanonischen Text der Literatur Venezuelas, der nun erstmals in einer deutschen Übersetzung vorliegt:
Teresa de la Parras Tagebuch einer jungen Dame, die sich langweilt. In dem 1924 erschienenen "Skandalroman" beschreibt de la Parra das von gesellschaftlichen Konventionen eingeengte Schicksal eines jungen Mädchens, das, nachdem es nur wenige Monate in Paris ein freies Leben genießen konnte, in die Obhut der strengen Großmutter und Tante nach Caracas kommt: Maria Eugenia, eine aufmüpfige, kluge und vor allem willensstärkere, selbstsicherere Schwester der Madame Bovary, die de la Parra in ihrem ausführlichen Tagebuch knallhart die sozialen Missstände im Venezuela des frühen 20. Jahrhunderts beschreiben lässt.
Erschienen im Manesse Verlag Zürich, 763 Seiten für 25,60 Euro.

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Tags: Venezuela Literatur Buchempfehlung Madame Bovary Teresa de la Parra
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