
Ein Buch über die Liebe? Ja, ist dazu nicht alles gesagt? Haben nicht Dichter, Philosophen und vielleicht gar noch Geistliche alles verherrlicht und die Aufklärer alles enthüllt? Kurz: Brauchen wir noch ein Buch über die Liebe?
Richard David Precht meint: ja – und sein Buch "Liebe – ein unordentliches Gefühl" ist wohl nicht nur deswegen ein Bestseller, weil Precht in einer Sprache schreibt, die Menschen anspricht.
Die wichtigste Frage, die im Buch angesprochen wird, ist das Selbstverständnis der Liebe in einer Zeit, die überaus wissenschaftsgläubig ist. Doch was sind die gängigen Thesen wirklich Wert? Für wen kann die Psychologie oder die Anthropologie wirklich sprechen? Kann Liebe von Wissenschaftlern überhaupt ausreichend beschrieben werden? Vermutlich nicht – denn Liebe ist zunächst nur ein Wort – und sonst gar nichts.
Precht ist erfrischend realistisch, ja sogar pragmatisch. Von Paaren weiß er, dass nicht die Liebe, sondern die Lebensentwürfe die entscheidende Rolle spielen: "Langfristig kann es nur darum gehen, ob die Lebensentwürfe der Partner zueinanderpassen". Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Sie können sich im Laufe der Beziehung ändern, denn "Lebensentwürfe" sind nichts als Entwürfe – das Leben entwickelt sich weiter. Viele Menschen, die mit 25 noch an der heimischen Scholle klebten, finden sich mit 35 in Johannesburg, Budapest oder Kairo wieder – und oft stellt sich heraus: Der neue Lebensentwurf passt nicht mehr zum Paar, das einst im Mai die Trauringe wechselte.
Was Precht sagt, kling so plausibel, dass man überall zustimmen mag. So sagte er, dass man kaum verhindern könne, sich zu verlieben: Es ginge so schnell und intuitiv, dass man darauf gar keinen Einfluss habe. Indessen setzt er auf die Lernfähigkeit jener, die immer wieder an "den Falschen" geraten. Das Verlieben an sich könne man nicht kontrollieren so meint er, aber man könne lernen, nicht immer die gleichen Fehler in der Liebe zu begehen.
Richard David Precht – "Liebe – ein unordentliches Gefühl"
Goldmann Verlag, ISBN 978-3442311842
Zitate aus dem Handelsblatt.