Kommentierte Ausgabe von „Mein Kampf"?
abgelegt im Archiv Dies & das am 09.06.08
Nachdem bereits im April der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, die Veröffentlichung von Hitlers "Mein Kampf" in einer kommentierten Ausgabe befürwortet hat, wird nun die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlins, Lala Süsskind, mit einer gleich lautenden Forderung zitiert:
"Der Text öffnet vielen Menschen die Augen über die wahren Absichten Hitlers und belegt, was man schon damals hätte wissen können." [...] Man solle das jetzt in Angriff nehmen, bevor jeder Verlag das Buch unkommentiert veröffentlichen könne." heißt es in der Berliner Morgenpost.
Das Münchner Institut für Zeitgeschichte bemüht sich schon seit längerem vergeblich um die Genehmigung für eine wissenschaftlich editierte Ausgabe. Die Rechte des Eher-Verlags, des Parteiverlages der NSDAP, werden seit 1945 vom Freistaat Bayern beansprucht und die bayerische Staatsregierung erteilt keine erlaubnis für die vollständige Veröffentlichung von "Mein Kampf". In Deutschland dürfen kommentierte Auszüge nur zu Forschungszwecken publiziert werden. Nach der derzeitig gültigen Fassung erlischt jedoch das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod des Autors, damit wäre ab 1.5.2015 ein Nachdruck für jeden Verlag möglich.
Jürgen Faulenbach, Historiker bei der Bundeszentrale für politische Bildung, hat sich auf stern.de gegen eine kritisch kommentierte Ausgabe ausgesprochen:
"Wir halten die Bedeutung des Buches für die Aufarbeitung des NS-Regimes, der Frage seiner Entstehung und Wirkung, nicht für relevant", sagt Faulenbach stern.de. Das Buch liefere keine wichtigen Erkenntnisse auf die Frage, wie das NS-Regime möglich war, sondern zeige nur die polarisierenden Meinungen und Ansichten des Verfassers aus einer gewissen Phase seines Lebens. Darin unterscheide es sich beispielsweise von den Goebbels-Tagebüchern, die immerhin einen wichtigen Wandel dokumentierten."
Weiterführende Links:
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Interview mit dem Regisseur Antoine Vitkine, er hat für arte im Mai eine Dokumentation über "Mein Kampf - Geschichte einer Hetzschrift" erstellt.
Das im Anschluss an die arte-Dokumentation geführte Gespräch mit Horst Möller, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, kann man hier abrufen.
Autor Rainer Popp sorgte im Jahr 2002 für Aufsehen, als er bei den im Bundestag vertretenen Parteien mit einem Brief, in dem er mehrere, nicht gekennzeichnete Passage aus "Mein Kampf" verwendete, (erfolgreich) um Aufnahme als neues Mitglied bat.
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Tags: Neuedition kritisch kommentierte Ausgabe Mein Kampf
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