Im Übersetzungsparadies
abgelegt im Archiv Dies & das am 12.06.08

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"2006 wurden nur 29 belletristische und 7 unterhaltende Bücher aus Deutschland in den englischsprachigen Raum verkauft, von insgesamt 772 bzw. 283 verkauften Lizenzen. Lediglich drei Prozent der in Amerika publizierten Bücher sind Übersetzungen aus dem Ausland. Die meisten deutschen Bücher gehen Richtung Osten: Polen und Tschechien greifen überdurchschnittlich oft zu", wird Claudia Paul, Pressesprecherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels auf stern.de zitiert.
Mit rund 5700 fremdsprachigen Titeln, die 2007 ins Deutsche übersetzt wurden, sei Deutschland, laut des Literaturjournalisten Denis Scheck, Europameister, was die Zahl der Übersetzungen anbelangt. Im vergangenen Jahr wurden knapp 100 Romane vom Deutschen ins Amerikanische und britische Englisch übersetzt, darunter Günter Grass' "Beim Häuten der Zwiebel". Diese Bilanz zieht Scheck in einem Interview des Deutschlandfunks. Das Interesse an deutscher Literatur in Amerika sei eher stagnierend, die Bücher, die in einer Übersetzung den Weg nach Übersee fänden, folgten eher Klischeethemen oder seien auf Deutschland im 20. Jahrhundert fokussiert.
"Das ist die Nazizeit, die da ganz stark im Vordergrund steht. Das sind sehr viele historische Bücher, Zeitzeugen-Bücher, Quellenbände, Briefbände. Und es ist dann noch ein kleines, sehr idiosynkratisches Auswahlchen, muss man sagen, von zeitgenössischer Literatur. In diesem Jahr für mich besonders interessant eine Übersetzung von Ulf Stolterfoht "Fachsprachen", einen sehr experimentellen Lyriker, der eben in seinen Gedichten wirklich Arbeits-Etymologien abarbeitet",
so Scheck, der zugleich auch Mitglied des Symposiums zur Vergabe des Helen-und-Kurt-Wolff-Preises für Übersetzungen aus dem Deutschen ins Englische ist. Der Preis wurde im Juni 2008 in Chicago an David Dollenmayer verliehen und zwar für seine Übersetzung von "Kindheit - Fragment einer Autobiografie", Autor ist Moses Rosenkranz.
Ein ebenso ehrgeiziges wie großes deutsch-englisches Übersetzungsprojekt ist im kommenden Jahr eine Neuübersetzung von Günter Grass' "Blechtrommel". Denis Scheck: "Die alte Übersetzung von Ralph Manheim wird überarbeitet, denn Günter Grass hat sich immer eine neue Übersetzung gewünscht. Der große Erfolg in den USA liegt nämlich unter anderem vielleicht auch daran, dass Ralph Manheim bei seiner ersten, sehr verdienstvollen Übersetzung gar einiges weggelassen hat, vereinfacht hat, die komplizierten Satzstrukturen aufgelöst hat, einfachere englische Sätze aus der "Blechtrommel" quasi gemacht hat, sodass man eigentlich diesen Roman auf Englisch fast leichter lesen kann, als auf Deutsch."
Ein aktueller Bestseller aus den deutschen Lesecharts kommt jedoch mit Sicherheit in Bälde in die englischen und amerikanischen Buchhandlungen: Jüngst erst wurden die Rechte von Roches "Feuchtgebiete" sowohl nach England als auch Amerika verkauft. Die Lizenz für "Wetlands" habe sich, berichtet stern.de, der amerikanische Verlag Grove Press gesichert, ein Verlag, der mit heiklem Lesestoff vertraut sei. Das New Yorker Verlagshaus hat auch die Werke des Marquis de Sade im Programm.
Der New York Times war Roches Beststeller-Erfolg in Deutschland sogar kürzlich eine ausführliche Geschichte wert, in der u.a. auch Alice Schwarzer zu Wort kommt.

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Tags: Übersetzungen Bücher Günter Grass HelenundKurtWolffPreis Buchlizenzen
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