
Unlängst hatte ich eine kleine Diskussion mit Jochen Mai, Redakteur der Wirtschaftswoche. Es ging dabei um Thesen, wie Sie auch in diesem Buch vertreten werden: Und zwar, um es mal ganz platt zu sagen, dass Frauen selbst daran schuld sind, dass sie nicht Karriere machen. Das hat Barbara Bierach in "Das dämliche geschlecht. Warum es kaum Frauen im Management gibt" vor ein paar Jahren schonmal geschrieben und im vergangenen November nochmal neu aufgelegt. Die Thesen sorgen durchaus für Diskussionsstoff.
Aber anders als offenbar viele Leser sich erregen, wird hier nicht propagiert, dass Frauen unbedingt auf der Karrierleiter nach oben klettern müssen! Aber wer es nicht tut, soll sich immer klar machen, warum sie sich anders entschieden hat. Das nennt sich Konsequenz – und die ist, da muss ich der Autorin recht geben, bei vielen Frauen Mangelware. Lieber ist man hinterher unzufrieden und zickig, lullt sich in seine Unsicherheiten ein, weil es ja so bequem und praktisch ist und macht denen, die anders (zufriedener?) leben, das Leben schwer – z.B. indem man sie als Rabenmutter beschimpft… Soweit so schön und das Kapitel über Kindererziehung ist besonders gelungen. Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass das hier beschrieben Phänoment nur auf Frauen beschränkt ist, auch viele Männer verharren lieber bequem in ihrer Lethargie, als sich mal aufzuraffen und ziehen gerne andere mit runter. Insgesamt ist mir dieses Buch etwas zu plakativ, da werden wild Zahlen aneinander gereiht (wo man doch keiner Statistik trauen soll, die man nicht selbst gefälscht hat!!!)ohne Lösungsmöglichkeiten. Und schade auch, dass als Weg zu Macht, Ansehen und Erfolg dann doch nur wieder das "männliche" Machtmodell als Schablone gezeichnet wird – wie wäre es mal mit ein paar Alternativen für selbstbewusste Frauen, die ihren eigenen Weg gehen wollen und keine Lust auf Machtspielchen haben? Oder funktioniert so tatsächlich die Welt?