Falsch gespielt
abgelegt im Archiv Romane am 21.09.08

Am 13. Januar 2009 wäre er 88 Jahre alt geworden: der Dichter Georges Forestier.
Jutta Roth rollt in ihrem ersten Roman "Falschspieler" die Geschichte eines Literaturskandals auf, der in den 50er Jahren die Kritikerwelt gehörig durcheinander wirbelte.
"Oblate des Monds auf verrosteten Lippen dreht sich die Schar der Gehenkten im Kreis. Das ist das Karussell unseres Todes. Ukrainische Hirten, Männer und Fraun." Georges Forestier
Denn Georges Forestier, der Sohn eines Franzosen und einer Deutschen, dessen 1952 erschienener Gedichtband "Ich schreibe mein Herz in den Staub der Straße" die Literaturkritik zu hymnischen Rezensionen inspirierte, hat nie existiert. Seine Biografie, die des jungen Mannes, der sich 20jährig freiwillig zur SS meldet, nach dem 2. Weltkrieg in Frankreich untertaucht, schließlich freiwillig zur Fremdenlegion geht, in Indochina mit dem Schreiben von Gedichten beginnt und seit einem gefährlichen Vorpostenkommando 1951 als vermisst gilt: diese Biografie ist nichts als die reine Erfindung.
Der "Erfinder" des Literaturphantoms Forestier: Karl Emerich Krämer, Angestellter beim Verlag Eugen Diederichs Düsseldorf, in dem Forestiers zwei Gedichtbände (1954 folgte mit "Stark wie der Tod ist die Nacht ist die Liebe" Nummer zwei) erschienen waren. Der Verleger Diederichs war es schließlich selbst, der die wahre Identität des Autors enthüllte:
"Krämer mußte sich als Schwindler beschimpfen lassen, und die wunderbaren, hochgelobten Gedichte des begabten Fremdenlegionärs Forestier waren mit einem Mal nur noch Produkte eines minder talentierten deutschen Verlagsangestellten und damit kaum der Rede wert. Und die deutsche Literaturkritik mußte sich sagen lassen, sie sei blind in das Messer eines Hochstaplers gelaufen." Quelle: DeutschlandRadio Berlin
Autorin Jutta Roth spürt in "Falschspieler" dem Phänomen des hochgejubelten, "schillernden" Dichters Forestier nach: "Braucht man mittelmäßigen Versen nur einen attraktiven Autor anzudichten, um Auflagenrekorde zu erzielen? Sieht so das moderne Verlagswesen aus? Angelehnt an den authentischen Betrugsfall Forestier entfaltet die Autorin einen echten Literaturthriller. Ein plastisches Bild des Literaturbetriebs in den Nachkriegsjahren und heute."
"Vier verschiedene Perspektiven kreieren nach und nach ein Bild des "Falschspielers" - im Buch Leo Zurmühlen genannt. In den Kindheitserinnerungen eines der Protagonisten, Friedrich Faber, wird er erstmalig näher beschrieben. Später gibt der betrügerische Schriftsteller Zurmühlen die Gedichte des nach Kanada ausgewanderten eigentlichen Dichters als seine eigenen aus. Ein Universitätsprofessor, der jüngere Bruder von Friedrich Faber, entlarvt den poetischen Vagabunden nach Jahrzehnten als Fälscher und Dieb. Schließlich nimmt Jungautor Marc Geldner die Fährte auf, um die von Faber begonnene Erzählung auf seine Weise zu Ende zu bringen und den lyrischen Schwindel aufzulösen." Quelle: openPR
Die Autorin Jutta Roth, Jahrgang 1967 (Hermannstadt) lebt seit acht Jahren samt Ehemann und zwei Kindern in den USA, Philadelphia. "Falschspieler" ist ihr erster Roman.
Jutta Roth: Falschspieler. ars vivendi verlag, 2008.

Permalink: Falsch gespielt
Tags: Bücher Literaturskandal Dichter Georges Forestier Falschspieler Jutta Roth Eugen Diederichs Karl Em
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