
… des Deutschen Literaturarchivs in Marbach, berichtet die FAZ. Die international bedeutende Literaturinstitution, in deren Archiv 20 Millionen Blatt handschriftliche Schätze von Hauff, Mörike, Rilke, Schnitzler, Kafka oder auch Celan zu Forschungszwecken bereit stehen und die zu einem kleinen Teil im Schiller-Nationalmuseum und dem Literaturmuseum der Moderne ausgestellt werden, kämpft zur Zeit mit internen Streitigkeiten. Grund ist der eingeschlagene Kurs des seit 2004 amtierenden Direktors Ulrich Raulff: Wie intensiv darf oder soll die Forschungstätigkeit sein und woran sollen sich zukünftige Forschungsschwerpunkte ausrichten? Wie "elitär" sollen Literaturausstellungen sein? …Im Museumsbereich hatte Raulff eher auf populärere Zugänge zu Literatur gesetzt.
Einige Mitglieder der Deutschen Schillergesellschaft, die dem Deutschen Literararchiv rechtlich vorsteht, stehen Raulffs Kurs skeptisch gegenüber. Spannend ist, dass teilweise Mitglieder des Vereins auch Angestellte des Literaturarchivs sind und damit ihrem Chef ordentlich die Suppe versalzen könnten. Denn nach dem derzeitigen Organisationsmodell ist der Direktor durchaus abhängig vom Wohlwollen des Vereins. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Wissenschaftsrat die unzureichenden Entscheidungsbefugnisse der Direktion, die aus dieser Struktur resultieren, kritisiert: Heute am Samstag steht nun eine Neuwahl des Vorstandes an, bei der es
"nicht auszuschließen [ist], dass diese Wahlen ein kampf ums Rechthaben und ums Machthaben in Marbach werden."