Im Grunde entsprang das Konversationslexikon bei seiner Entstehung dem Wunsch, dem bürgerlichen Stand ein Werk an die Hand zu geben, aus dem man sich über alle Themen ein wenig informieren konnte. Obwohl es bereits im 18. Jahrhundert entstand, hatte es seine Blütezeit im 19. Jahrhundert, in dem sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse dramatisch vermehrten. Im Vorwort zum Brockhaus von1868 heißt es "Das Conversations-Lexikon [hat] die Flüssigmachung und Popularisierung der wissenschaftlichen, künstlerischen und technischen Ergebnisse, nicht für die geschäftliche Praxis, sondern für die Befriedigung und Förderung der allgemeinen Bildung zur Aufgabe". (zitiert nach Wikipedia)
Wohl kaum ein Mensch blieb von den Lexikonverkäufern verschont, die mehrbändige und zum Teil sehr teure Ausgaben der Lexika sozusagen häppchenweise anboten: ein Band pro Monat oder Quartal, je nach Anzahl der Bände – und selbstverständlich sogar mit Kredit – in bequemen Monatsraten. Wer sich darüber wundert, dem mag man sagen: Bücher waren damals enorm teuer – und ein Konversationslexikon für das Volk hatte mindestens vier Bände – die ganz Großen hatten sogar bis zu 46 Bänden – und so etwas macht sich natürlich gut im Bücherschrank.
Der heutige Trend geht eindeutig zum Online-Lexikon – aber da gibt es eine bittere Pille zu schlucken: Zu viele Autoren, wie bei Wikipedia, verderben den Brei, und Ideologen aller Schattierungen versuchen, diese Lexika zu ihren Zwecken zu missbrauchen – bereits heute ist in manchem Lexikon des 19. Oder 20. Jahrhunderts eine größere Meinungsvielfalt zu finden als beim modernen Onlinelexikon Wikipedia.
Die Lösung würde heißen: Man braucht Redaktionen, die den Inhalt mundgerecht aufbereiten und die Vielfalt der Meinungen mit dem Menschenverstand und der Sprache eines Realschülers in Einklang bringen können. Leider gibt es dies nicht – und Wikipedia, das wirklich unerlässlich ist, bekommt dadurch den Stellenwert eines göttlichen, weil unantastbaren Wissens, das ihm nicht gebührt. Die Zukunft des Konversationslexikons ist also ungeklärt – und solange dies so ist, können die Autoren in Wikipedia ihre Fähnchen nach dem Winde hängen, der sie treibt.
Ich bitte um eure Meinungen dazu.
Sowohl Meyers wie auch Brockhaus sind in den Original-Ausgaben des 19. Jahrhunderts hier online einzusehen.