Das Tauziehen in den Feuilletons hat (für dieses Jahr) ein Ende, die Shortlist des Deutschen Buchpreises ist geknackt und der diesjährige Gewinner gekürt. Für "Der Turm", erschienen bei Suhrkamp, erhält Uwe Tellkamp den mit 25.000 EURO dotierten Deutschen Buchpreis 2008.
Aus der Jury-Begründung:
"Uwe Tellkamps großer Vorwenderoman ,Der Turm' entwirft in einer Fülle von Szenen, Bildern und Sprachformen das Panorama einer Gesellschaft, die ihrem Ende entgegentaumelt. Am Beispiel einer bürgerlichen Dresdner Familie erzählt er von Anpassung und Widerstand in einem ausgelaugten System. Der Roman spielt in den verschiedensten Milieus, unter Schülern, Ärzten, Literaten und Politkadern. Uwe Tellkamp schickt seinen rebellischen Helden Christian Hoffmann auf eine Höllenfahrt, aus seiner Enklave in den Militärdienst bis zum Strafvollzug der NVA. Den Lesern erschließen sich wie nie zuvor Aromen, Redeweisen und Mentalitäten der späten DDR. Unaufhaltsam treibt das Geschehen auf den 9. November zu."
"In seinem fast 1000 Seiten langen Epos entwirft Tellkamp ein monumentales Panorama der untergehenden DDR. Der gebürtige Dresdner schildert am Beispiel des Bildungsbürgertums seiner Heimatstadt die letzten sieben Jahre der zerfallenden Republik." Quelle: Wetterauer Zeitung
Jeweils EUR 2.500 erhalten die weiteren fünf, ebenfalls für die Shortlist nominierten AutorInnen: Dietmar Dath (Die Abschaffung der Arten), Sherko Fatah (Das dunkle Schiff), Iris Hanika (Treffen sich zwei), Rolf Lappert (Nach Hause schwimmen) und Ingo Schulze (Adam und Evelyn).
Noch kurz vor der Preisverleihung im Kaisersaal des Frankfurter Römers hatte die "Vorjahressiegerin" des Deutschen Buchpreises, Julia Franck, nicht nur eine Termin-Verlegung der Preisverleihung vorgeschlagen, sondern
[...] kritisierte zudem, die Prozedur der Preisverleihung sei für die Nominierten in den vergangenen Jahren "alles andere als angenehm gewesen". Nach der Veröffentlichung der "Shortlist" mit den sechs Favoriten sei ein Streit in den Feuilletons um das beste Buch losgegangen. Das sei "ziemlich schwer zu ertragen gewesen". Die öffentliche Debatte habe zu einer Konkurrenzsituation zwischen den Autoren geführt. Bis zur Preisverleihung sei es "immer schlimmer" geworden: "Das ist schon ein ziemlicher Druck, der da entsteht." Quelle: freie presse