
Man schreibt das Jahr 1822.Ein Mann, der schon gegen die 40 geht, veröffentlicht sein erstes Buch. Es heißt "Über die Liebe". 10 Jahre später muss er feststellen: Es ist ein totaler Misserfolg. Ganze 17 Exemplare sind in den 10 Jahren verkauft worden.
Man mag nun sagen: "Ja, so ist es eben", oder vielleicht auch "nun, was soll denn ein Buch über die Liebe?" ich sehe schon das maliziöse Lächeln auf den Lippen manches Lesers. "Noch so ein billig dahin geschriebenes Werk für Damen, die sich langweilen – davon gibt es doch gerade genug".
Gemach, gemach … es handelt sich bei dem Herrn um einen gewissen "M. de Stendhal" und sein Buch "De l'amour" – "über die Liebe" ist sozusagen das Standardwerk für Menschen geworden, die die Liebe auch nur halbwegs verstehen wollen – jedenfalls die Liebe im 19. Jahrhundert, und wohl auch noch sehr viel von der des 20. Jahrhunderts dazu. Stendhal ist dabei seiner Zeit im Längen voraus. Er, der beständig verliebt war, wollte sich wohl selbst klar werden, was "die Liebe" für ihn bedeutete – und dies nach einer verschmähten Liebe mit einer verheirateten Dame, der Generalsgattin Metilda Dembowski.
Hätte ein Werk wie "Über die Liebe" heute noch eine Chance? Die meisten von uns würden sagen: "Nein – die Liebe ist doch so oft beschrieben worden, da ist die Luft heraus". Doch wer einen Menschen auf der Straße fragt: "Was ist für dich die Liebe?", der wird kaum eine befriedigende Antwort bekommen.
Was meinen meine Leserinnen und Leser? Brauchen wir ein neues Buch über die Liebe im 21. Jahrhundert?