Da ist was im Busch...
abgelegt im Archiv Veranstaltungen am 18.06.08

Perfektes Timing für das Stadtmuseum im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg. Wenn am 21. juni die große Sonderausstellung zum 250. Geburtstag des Verlegers J. E. von Seidel eröffnet wird, ist auch eine bisher unbekannte Bildergeschichte Wilhelm Buschs zu sehen. Die Originale sind einem Zufallsfund in einem Druckereiarchiv zu verdanken. Freitag vergangener Woche wurden sie erstmals öffentlich gezeigt.
"Der Kuchenteig" heißt eine zehnteilige Bildergeschichte des Vaters des modernen Comics, die jetzt zufällig im Archiv der historischen Druckerei Seidel im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg aufgetaucht ist. Die fünf mal neun Zentimeter großen Bleistiftzeichnungen steckten 145 Jahre lang in einem Briefumschlag, auf den Busch den Titel der Geschichte geschrieben hat", berichtete die Welt.
Überliefert ist, dass Busch die Bildergeschichte, ein Vorläufer des sechsten Streichs von "Max und Moritz", dem Verlag in Sulzbach für 50 Gulden Honorar anbot. Die Hauptfigur sieht dem späteren Moritz samt markantem, nach oben stehendem Haarschopf schon sehr ähnlich, gezeichnet hat ihn Busch vermutlich um 1863. Gedruckt wurde die Bildergeschichte jedoch nie und damit sah Busch, der zu dieser Zeit als unbekannter wie erfolgloser Künstler unter großen finanziellen Nöten litt, auch kein Geld. Ruth Brunngraber-Malottke vom Wilhelm-Busch-Museum in Hannover hat für die "Absatzprobleme" der Busch'schen Zeichengeschichte folgende Erklärung:
"Busch, der Zyniker und Pessimist befreite die Kinder des 19. Jahrhunderts von den symbolischen und wirklichen Schleifchen und Rüschchen, die ihnen auf den Fotografien, in Märchen und Schutzengelbildchen angelegt wurden. Er nahm sie so, wie sie sind, schlau, durchtrieben, aber darin eben auch als autonome, individuelle Persönlichkeiten erkennbar. Vor dem Erfolg von "Max und Moritz" eckte er damit an, seine Geschichten lagen wie Blei in den Regalen."
Die gesamte Bildergeschichte wird nun vom 21. Juni bis 9. November im Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg gezeigt, der begleitende Ausstellungskatalog druckt diese erstmals gesamt ab.
"Mit den Busch-Zeichnungen schreibt Sulzbach-Rosenberg erneut ein kleines Stück Literaturgeschichte. Schließlich hat die 20400-Einwohner-Stadt bereits seit 1977 im ehemaligen Amtsgericht ein bedeutendes Literaturarchiv. Damals hatte der renommierte Kritiker Walter Höllerer seine Dokumentensammlung seiner Heimatstadt vermacht. Daher kann in dem Archiv sogar die Erstfassung der "Blechtrommel" von Günter Grass bewundert werden." Quelle: Sächsische Zeitung
Nachdem sich 2008 der 175. Geburtstag und 100. Todestag des Vaters von Max und Moritz jähren, hier noch ein Hinweis auf zwei ganz unterschiedliche, aber gleichermaßen interessante, neuere Bücher:
Eva Weissweiler hat eine Biographie über Wilhelm Busch verfasst ("Der lachende Pessimist", erschienen im Januar 08) und präsentiert hierin viele unbekannte Facetten des Karikaturisten. Die erfahrene Biographin über Wilhelm Busch: "Eine außerordentlich verstörte, fast autistische Persönlichkeit."
Eine ganz andere Herangehensweise an den Künstler verfolgt "Wilhelm Busch und die Folgen" (erschienen im September 07), dieser Band versammelt die unterschiedlichsten Comiczeichner. Ralf König, Laska oder auch Martin Dieck erweisen Wilhelm Busch zeichnerisch ihre Reverenz. Dies ist nicht nur ein Brückenschlag von der Busch'schen Bildergeschichte zum deutschen Comic des 21. Jahrhunderts, sondern auch bei jeder der zwölf Geschichten immer eine Einladung, wieder einmal das Original zur Hand zu nehmen.

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Tags: Karikaturist Bildergeschichte Wilhelm Busch Max und Moritz Stadtmuseum SulzenbachRosenberg Ralf Kö
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