
"Loveletters from Great Men" könnte als neuer Bestseller die Lese-Charts erorbern. Könnte. Wäre da nicht ein kleiner Schönheitsfehler: Das Buch gibt es (bisher) nur im Film.
Kaum zu glauben: Da wird rund um den Kinofilm "Sex and the City" doch mit generalstabsmäßigem Aufwand die Product-Placement-Maschinerie angeworfen. Um so z.B. Handtaschen in der ebenso auffälligen wie äußerst alltagsuntauglichen Form des Eiffel-Turms zu promoten, im Vertrauen darauf, dass die Kinogängerinnen schon die Läden stürmen – und dann lässt man doch tatsächlich eine "Merchandising-Gelegenheit" ungenutzt…
"Hunderte von Fans wollten den von Carrie Bradshaw alias Sarah Jessica Parker gelesenen Band "Loveletters from Great Men" haben. Doch den gibt es nicht. Der Band, aus dem Carrie in dem Film authentisch Liebesbriefe von Napoleon und Beethoven zitiert, ist eine Erfindung des Drehbuchs. Tatsächlich aber existiert die erstmals 1924 veröffentlichte Sammlung "Love Letters of Great Men and Women from the Eighteenth Century to the Present" von C. H. Charles. Das vor wenigen Jahren neu aufgelegte Werk mit Briefen von George Sand und Goethe erlebt derzeit einen ungeahnten reißenden Absatz. Wie amazon.com vermeldet, steht es auf Platz 134 der Rangliste der meistverkauften Bücher", meldet welt.de.
Viel besser zu "Sex and the City" würde aber doch eigentlich, angesichts des dereinst Fortsetzung um Fortsetzung legitimierenden Männerverschleißes, Abschiedsbriefe von Frauen passen – und da ist bereits Anfang 2006 ein sehr netter, kurzweiliger Sammelband erschienen. Herausgegeben hat ihn Sibylle Berg. Der Titel: "Und ich dachte, es sei Liebe", verlegt bei Dva, Insgesamt 65 Abschiedsbriefe quer durch die Jahrhunderte bis in die Jetzt-Zeit, von bekannten wie weniger prominenten Frauen, mal handschriftlich oder auch per Mail, hat Berg hier versammelt. Zu den klangvollen Namen zählen Marlene Dietrich, Milena Moser oder auch Königin Elizabeth I. Die Nachfrage nach diesen Schlüsselloch-Einblicken in weibliche Abschiedsrituale muss jedenfalls recht erfolgreich gewesen sein, wurde doch in diesem Jahr ein Band mit Abschiedsbriefen von Männern nachgelegt. Der Titel: "Das war's dann wohl", ebenfalls erschienen bei Dva. Hier wird der Begriff des Abschied-Nehmens etwas weiter gefasst, sind die Adressatinnen nicht nur Ex-Geliebte, sondern so kann in diesem Kontext auch Oskar Lafontaine in einem Brief an den Bundeskanzler seinem Job als Minister Adieu sagen.