
"Was, um Himmels willen geht uns das eigentlich an? Warum muss die Nachwelt wissen, was Mann und Frau und Frau und Mann einander bedeutet haben?" fragt Elke Schmitter in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL.
Anlass ist die für den 18. August geplante Veröffentlichung des Briefwechsels von Ingeborg Bachmann und Paul Celan:"Herzzeit", herausgegeben von Bertrand Badiou, Hans Höller, Andrea Stoll und Barbara Wiedemann im Suhrkamp Verlag.
Im Mai 1948 lernten sich die beiden Lyriker kennen – Beginn einer aufreibenden (auf Neudeutsch) "On-Off-Beziehung". Es folgt die 1. Trennung. Ein neuer Versuch, jedoch das gemeinsame Zusammenleben in Paris (1950) scheitert, man trennt sich ein weiteres Mal, sechs Jahre später lebt die Liebe erneut auf. Doch Celan ist verheiratet, hat einen Sohn und dieses Mal ist es Bachmann, die einen Schlussstrich zieht. Ab 1958 ist sie mit Schriftstellerkollege Max Frisch liiert.
Für Elke Schmitter besteht kein Zweifel, dass dieser private Briefwechsel der Ã-ffentlichkeit zugänglich gemacht werden muss: "Einerseits weil die Verbindung ein Werk – nämlich das Bachmanns – in seinen Anfängen prägte. Andererseits weil die Beziehung nicht nur eine private war, sondern auch eine historische: zwischen Exilant und Ã-sterreicherin, zwischen jüdischem Opfer und Nazi-Kind."
Zu den knapp zweihundert Briefen von Ingeborg Bachmann und Paul Celan wurde in "Herzzeit" auch die Korrespondenz zwischen Ingeborg Bachmann und Gisèle Celan-Lestrange sowie zwischen Paul Celan und Max Frisch in den Band aufgenommen.
Die FAZ veröffentlicht heute Auszüge des Briefwechsels von Max Fisch und Paul Celan. Hier erfährt man, in was für eine tiefe psychische Krise Paul Celan die Plagiatsvorwürfe von Yvan Golls Witwe gestürzt haben. Von Max Frisch erhoffte er sich Unterstützung – doch der kann den hohen Loyalitätserwartungen nicht genügen. Die ebenfalls auf FAZ.Net erstmalig publizierten Briefe von Ingeborg Bachmann und Gisèle Celan-Lestrange dokumentieren eindrücklich die wachsende Verzweiflung Paul Celans. Er begeht schließlich 1970 Selbstmord. Ingeborg Bachmann stirbt drei Jahre später in Rom.