
Gedruckte Bücher – nicht mehr unbedingt: Im Jahr 2020, so prognostiziert eine Studie der British Library, würden bereits 40 Prozent der Bücher nur noch in einer elektronischen Version publiziert. Höchste Zeit also, sich für die traditionellen Hüter der verleihbaren Drucksorten, den Bibliotheken, sich mit diesem Zukunftsszenario zu beschäftigen und auch damit, dass die Nutzer mehr und mehr erwarten, bequem von zu Hause in den Beständen virtuell zu blättern und komplette Bücher gleich online lesen zu können. Aber auch andere Medien der Büchereien sind von dem digitalen Umbruch betroffen:
"Musik und Audio-Inhalte wird es auf Trägermedien, also auf CDs und DVDs bald nicht mehr geben. Das heißt, wenn sie sich jetzt auf den Verleih von rein physischen Trägermedien beschränken, dann können sie bestimmte Inhalte bald überhaupt nicht mehr an die Ã-ffentlichkeit vermitteln", sagt Holger Behrens, Geschäftsführer der Firma DiViBib und Experte für virtuelle Bibliotheken. Quelle: BR-Online
Während die Studienbibliotheken teils bereits mit aufwendigen Großprojekten in das digitale Zeitalter aufbrechen, wollen jedoch auch die städtischen Bibliotheken nicht hinten anstehen. Hier wurde das Prinzip der Onleihe entwickelt. Mit dem jüngsten Neuzugang Duisburg bieten nun insgesamt 30 Städte die Möglichkeit der digitale Ausleihe an: Benötigt werden ein Internet-Zugang und der Bibliotheksausweis, damit lassen sich dann über die jeweilige Website der digitalen Filiale Hörbucher, E-Paper, Musik und eBooks ausleihen.
"Ein Digital-Rights-Management (DRM) sorgt dafür, dass der jeweilige Inhalt nur im Rahmen der mit Verlagen und Medienanbietern vereinbarten Lizenzmodelle genutzt werden kann. Am Ende der vorgesehenen Ausleihdauer erlischt die Nutzbarkeit – das Medium ist dann wieder für andere Interessenten verfügbar. Eine Rückgabe ist nicht notwendig." Quelle: Presseinformation bibliothek-digital
Eine Übersicht aller an der Onleihe beteiligten Bibliotheken bietet bibliothek-digital
(Nicht nur) in Ã-sterreich haben die öffentlichen Bibliotheken das Projekt "open" gestartet. Die Erstellung eines bestens sortierten Wissensspeichers, der, analog wie digital, für alle frei zugänglich sein soll, ist das Ziel. Hierzu zählen beispielsweise Musopen (Musik zum Gratis-Download, darunter viele klassische Werke) oder auch LibriVox (digitalisierte Bücher aus Literatur und Wissenschaft, Online-Hörbücher für den privaten Download) findet sich hier
Bildnachweis: DiViBib GmbH
Ich erlaube mir ein gewisses Maß an Skepsis. Die schnelle Endlichkeit digitaler Medien – und dazu gehören auch Server -, die Voraussetzung, recht teures, verschleißanfälliges technisches Equipment vorzuhalten, das sich nur Teile der Bevölkerung leisten können, und auch die DRM – Implementierung, die in der Musikindustrie und der Filmindustrie mangels Akzeptanz und wegen der damit verbundenen Nutzungseinschränkungen im legalen Bereich weitgehend auf dem Rückzug ist, wird die Abschaffung von in corpore vorliegenden Medien wie Büchern und Filmen nicht so schnell befördern, wie es die Optimisten der IT – Branche gerne hätten. Als Büchernarr fehlt mir zudem das Haptische, das Gefühl, ein Buch in der Hand zu halten, das entspanntere Lesen als am Bildschirm, das – selbst bei mir – Konzentrationsmängel befördert. Es wird m.E.lange Zeit allenfalls eine Parallelwelt digitaler Art geben können. LG tinius