Besser-Wisser
abgelegt im Archiv Sachbücher am 05.06.08

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Die deutsche Sprache ist uns heilig - deshalb gibt es folgerichtig auch einen Sprachpapst. Doch dieser ist, ebenso wenig wie sein Steckenpferd, alles andere als unfehlbar.
... denn: "Eine lebende Sprache lässt sich nicht auf ein immergültiges, fest zementiertes Regelwerk reduzieren." Bastian Sick, Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache, Teil I.
Am Anfang war eine Kolumne mit einem lustigen Namen. Die wollte jeder lesen. Daraus wurde ein Buch. Das war so erfolgreich, dass noch drei weitere Bücher folgten. Dazu gesellte sich ein Spiel, außerdem DVDs und die überaus populäre Bastian Sick-Schau, welche den Autor nicht nur quer durch Deutschland, sondern auch in die Schweiz führte. So oder ähnlich liest sich die Genese des Bastian Sick vom SPIEGEL-Redakteur zum vielzitierten wie vielgeschmähten "Retter des Genetivs".
Denn mit dem rasanten Erfolg, mehr als drei Millionen verkaufter Buch-Exemplare, wuchs ebenso die Zahl der Kritiker. Falsch! Fataler Fehler! Kompletter Unsinn! tönte es aus den Reihen der Linguisten und die erteilten dem studierten Geschichtswissenschaftler und Romanisten Bastian Sick Platzverweise gleich reihenweise, mahnend sekundiert vom monumentalen Wörterbuch der Gebrüder Grimm. Womit zumindest schon einmal bewiesen wäre, dass die gesammelten Zwiebelfisch-Kolumnen tatsächlich klüger machen - zumindest was den Autor selbst anbelangt.
Die Leserschaft hat es da nicht ganz so leicht. Wo in seinen Büchern findet man denn nun all die Antworten auf die brennenden Fragen aus dem Irrgarten der deutschen Sprache, die sich hinter launigen Überschriften wie Streit und kein Ende verbergen? Kolumne für Kolumne begibt sich Bastian Sick auf vielerlei Fährten und präsentiert anschließend mit leichter Hand das Problem samt Auflösung. Was er bei seinen Sprachrecherchen Wissenswertes erfährt, daran lässt der Autor die Leser kaum teilhaben. Mit längeren Erklärungen hält Sick sich nämlich nicht auf, denn der Wortraum ist bereits vorab fix vergeben, für die oft witzigen und pointierten Rahmenhandlungen. Und dann ist der Spaß nicht selten schon wieder vorbei, wenn sich die 'echten' Sprachexperten zu Wort melden.
Dabei war - und ist - der Ausgangspunkt aller Erbenzählerei doch ursprünglich ein sehr ehrenhafter: Ein ironischer Geschichtenerzähler will Bastian Sick sein, schon immer fasziniert von den Geheimnissen der deutschen Sprache und deshalb Initiator einer sprachpflegerischen Kolumne, die die Erscheinungen der deutschen Sprachkultur, von schaurig bis verschroben, unter die Lupe und aufs Korn nimmt.
Vielleicht sollte man spaßeshalber der Einladung von Axel Hacke folgen. Der Autor, u.a. "Der kleine Erziehungsberater" und langjähriger Kolumnist des SZ-Magazins, hat in seinem jüngstem Buch Wortstoffhof Sprachgeschichten von Äh bis Zeitfenster gesammelt, ganz ohne moralischen Zeigefinger Zum reinen Vergnügen - für den Autor wie die Leser.
Hier finden sich einige Links zur "Anti-Perzeption" von Bastian Sick. Dort gibt es ebenfalls den Hinweis auf die Ringvorlesung des Sprachwissenschaftlers Markus Hundt, Uni Kiel, der sich mit Bastian Sicks Büchern beschäftigt hat und darin abschließend noch drei Tipps für Nachschlagewerke bereithält, die ebenso unterhaltsam wie verlässlich durch das deutsche Sprachdickicht führen sollen:
Willy Sanders: Sprachkritikastereien und was der 'Fachler' dazu sagt, 1992.
Dieter E. Zimmer: Sprache in Zeiten ihrer Unverbesserlichkeit, 2005.
Dieter E. Zimmer: Die Wortlupe, 2006.

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Permalink: Besser-Wisser
Tags: Autoren Bastian Sick Genitiv Sprachwissenschaft Axel Hacke Markus Hundt
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