
wandel im Buchmarkt – Kleine und mittlere Verlage fürchten um Existenz:
"Scala" auf wdr 5 spürt heute, von 12.05 bis 13.00 Uhr, Trends in der deutschen Verlagslandschaft nach und wagt einen Blick in die Zukunft des Buchmarkts.
Hintergrund: Schon seit längerem sei ein schleichender Wandel im Kaufverhalten der Leser feststellbar. Diese gäben seit Jahren immer mehr Geld für immer weniger Titel aus. Die Folgen:
"Die Bandbreite an Neuveröffentlichungen nimmt ab. Kleine und mittlere Verlage klagen hinter vorgehaltener Hand über mangelndes Qualitätsbewusstsein der Kunden und kaum steigende Buchpreise. Sie fürchten um ihre Existenz."
Hier gibt es den Beitrag zum Nachhören.
Gefunden auf BuchMarkt
Die letzten Statistiken, die ich gesehen habe, sprechen von einem Rückgang der Buchpreise seit einigen Jahren, zuletzt wieder um 0, 5 %. Generell aber teile ich Deinen Eindruck, denn gerade die Euro – Umstellung, aber schon Preiserhöhungen davor, haben ein vollkommen neues Preisgefüge auf höherem Niveau etabliert. Die Verlage aber hätten gerne, daß die Preise wieder und weiter stiegen, schließlich bedrohen höhere Energie -, Rohstoff – und Personalkosten die einst möglich gemachten Gewinne, zudem greifen auch im deutschsprachigen Raum immer mehr Literaturagenten in den Handel mit Rechten und Manuskripten ein – eine Partei, die aus den Erlösen schließlich auch finanziert werden will. Dumm nur, daß die Mehrheit der Kunden Obergrenzen kennt und nicht für müde 120 Seiten oder ein TB 20 Euro, für ein dickeres gebundenes Buch auch 30 oder 40 Euro zu bezahlen bereit ist. Die Argumentation, daß das mit dem Faktor Qualität zu tun hätte, will mir aber als Vorwegnahme einer buchpreisbindungslosen Zeit erscheinen. Bislang stiegen die Preise unabhängig von der Qualität, später ? würden massenkompatible Titel eher durch Rabattierungen im Preis gemindert, das Anspruchsvolle dagegen würde mit Sicherheit teurer und seltener. Ich selbst kaufe meine Bücher zu annähernd 70 % gebraucht, zum Teil in englischer Sprache, um dem deutschen Preisgefüge auszuweichen. Und da der aus einem Gutteil Remittenden besteht, sorgen deutsche Verlage übrigens im gleichen Atemzug mit einer Forderung nach Preiserhöhung dafür, daß diese nur unter Schwierigkeiten durchgesetzt werden könnte (und daß die Buchpreisbindung wohl von begrenzter Lebenszeit sein könnte).
LG tinius
OT: Danke für das schnelle Reparieren des rss – feeds.
“Traue niemals einem Klappentext” – habe ich einmal mehr lernen müssen. Der tatsächliche Sendungsinhalt ging vielmehr eher in die von Dir angesprochene Richtung: Bücher werden nicht teurer, Preisentwicklung sei vielmehr stagnierend. Als Bedrohung des Buchmarktes wurden, neben Preisdruck der Monsterbuchketten auf die Verlage, auch das Internet genannt. Der dort blühende Zweitmarkt nagt nicht unwesentlich am Verkaufskuchen aber auch, und das fand ich sehr interessant, die Angst vor Veränderung durch das eBook war deutlich zu spüren. Hier rechnet man mit einem Herüberschwappen nutzbarer Endgeräte im Herbst bzw. spätestens im Frühjahr kommenden Jahres und damit mit einem unaufhaltsamen Anstieg des digitalen Lesekonsums.
OT: Unverdienter Dank:-) Das nette Team von Creative-Weblogging kümmert sich um Rss-Feed & Co.
Ich sehe den stark ansteigenden Gebrauchtbüchermarkt auch als eine Gefahr des stationären Buchhandels, die Marktmacht großer Ketten oder amazon ebenfalls. Die kleinen Verlage haben noch ein anderes Problem : die zunehmende Konzentration im Verlagsgeschäft. Welche finanziellen Reserven müßte ein Kleinverlag aufbieten, um mit der Präsenz von Spitzentiteln aus der Holtzbrink – oder Randomhouse – Ecke soweit mithalten zu können, daß sie wahrgenommen und von den Buchhandlungen eingekauft würden. Die ketten listen vorzugsweise Stapeltitel, die kleineren haben angesichts auch im verbreitenden Buchhandel fallender Umsätze dauerhaft auch keine andere Chance, als sich auf “Verläßliches” zu stützen, das eher Ungewöhnliche auszusortieren. Ein Projekt wie vorablesen.de, das willige Leserschaft mit Leseexemplaren zu voreiligen begeisterten Statements anhand von Kurz – Leseproben ködert, ist von einem kleinen Verlag nicht zu stemmen, da es einer ausreichenden Anzahl von Leseexemplaren bedürfte, sodaß nicht mal auf unabhängigen Plattformen auch nur ein Bruchteil an Öffentlichkeit gewonnen werden könnte. Eine weitere Gefahr sehe ich in der alljährlichen Titelschwemme, die Leser und Buchhändler gleichermaßen überfordert und Wichtiges oder Gutes schlicht mit schierer Massen verdeckt. Da dabei auf Massenkompatibilität gesetzt wird, Trends totgeritten werden, weden sich für die Masse immer ausreichend Käufer finden, für das Gute, Wertvolle eher wenig. Und das obwohl die Feuilletons diese Massenware seit Jahrzehnten schlicht ignorieren und – ähnlich wie ich es mir angelegen sein lasse – einen zu erhoffenden / zu erwartenden qualitativen Mindeststandard setzen. LG tinius