„Schreiben Sie doch lieber etwas anderes"
abgelegt im Archiv Autoren & Verlage am 29.06.08

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Juror André Vladimir Heiz zu Autor Martin von arndt beim Bachmann-Wettbewerb 2008, Klagenfurt
Auf 2 Lese-Tage und 14 Autorinnen und Autoren hatte man den Bachmann-Wettbewerb der "32. Tage der deutschsprachigen Literatur" in diesem Jahr zusammengezurrt. Der (sichtbare) Ablauf blieb jedoch unverändert: Erst wurde der Schriftsteller per Videoporträt vorgestellt, dann erfolgte die Lesung im neuen blauen Studiodesign auf wölkchenweißen (laut Juroren unbequemen) Sesseln und im Anschluss hatten die 7 Juroren das Wort.
Deren Wortmeldungen schaukelten sich teils schwindelerregend aneinander hoch, sehr zur Freude von Schriftsteller Tilman Rammstedt, dessen "Kaiser von China" von Juror zu Juror in immer kühneren, ziselierten Wortspiralen gelobt wurde, mal tauchte man in das genaue, wenig sensible Gegenteil ab, als es um den Schweizer Autor Pedro Lenz ging und teils befehdete sich die Jury auch in liebgewordener Manier untereinander, so als Ursula März von Burkhard Spinnen ein energisches "raus aus dem Elfenbeinturm" einforderte, da dieser partout nicht in die Lobeshymne auf den von ihr vorgeschlagenen Autor mit einstimmen wollte und von ihm prompt hierfür die gelbe Karte - selbstverständlich nur angedeutet, schließlich befindet man sich auf hochkultiviertem Terrain und nicht in den Niederungen der Rasenkante - kassierte.
Ein facettenreicher, unmittelbarer Einblick in einen, durch die Auswahl der Juroren bestimmten Ausschnitt der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: Diesem Anspruch wurde auch der diesjährige Bachmann-Wettbewerb erneut gerecht. Und am Ende des 28. Juni standen dann, nach einem eher lähmenden elektronischen Nominierungsmarathon unter der hölzernen Aufsicht des Justitiars, schließlich die fünf Sieger fest:
Ingeborg Bachmann-Preisträger 2008 ist Tilman Rammstedt (dotiert mit EUR 25.000). Er gewann zudem den diesjährigen Publikumspreis (EUR 6.000).
Markus Orths ist Telekom Austria Preisträger 2008 (10.000 EUR).
Patrick Findeis ist Gewinner des 3sat Preises (EUR 7.500).
Der Österreicher Clemens J. Setz wurde mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet (EUR 7.000).
Eine kurze Besprechung jeder der 14 Lesungen findet man hier
Die Lesungen selbst zum Download gibt es hier
Die Texte der Autoren und Autorinnen lassen sich als Word oder pdf-files hier abrufen

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Tags: Tage der deutschsprachigen Literatur Ingeborg Bachmann Klagenfurt
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Kommentar von:
Robert, ein Leser
(29.06.08 0:48 Uhr)
Schöner Lese-Ritus, dieser Wettbewerb. Aber für den einzelnen Leser bleibt wohl eh und jeh wahr: Was vor einer Jury besteht, muss nicht jedem gleich gefallen.
Kommentar von:
Adele
(30.06.08 12:56 Uhr)
... genau so geht's mir auch. Martin von Arndt, dessen Text bei der Jury wenig ankam, hat mir gut gefallen. Keine synthetisch verklärte Fiktion eines rustikalen Landlebens wie z B. bei Findeis, sondern Zeitgenossen aus Fleisch und Blut, die eben auch mal ungewollt im Nichtstun verharren...
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