
… und manchmal geht dann so viel auf einmal weiter, dass man schon fast wieder anfängt (an sich) zu zweifeln.
Schriftstellerin Julia franck ist dafür ein nettes Beispiel. Erst war ein ambitionierter Verlag, der ihr erstes Buch in einer ambitionierten Hardcover-Ausgabe herausbrachte und das sich in 24 Monaten knapp 2000 Mal verkaufte. Zu wenig, um davon als Autorin leben zu können, zu wenig finanzieller Gewinn auch für den Verlag. Dann kam der fulminante Erfolg des Bestellers "Die Mittagsfrau", erschienen im vergangenen Jahr, verkauft seither mehr als 400.000 Exemplare, zusätzlich gekrönt mit dem Deutschen Buchpreis. In ihrer Rede
zur Eröffnung der Buchhändler-Tage bekannte Franck jetzt:
"Kommt heute ein Leser mit einer Taschenbuchausgabe und möchte sie [eine Ausgabe ihres Erstlings von 1997] signieren lassen, warne ich ihn: Dieses Buch wird keine einzige seiner Erwartungen erfüllen. Es hat nichts mit dem Fräuleinwunder, nichts mit der jungen Berlin-Literatur Ende der 90er Jahre oder meinen später vielstimmig angelegten Romanen zu tun. Keine Spur vom beschwingten Erzählen der Jahrtausendwende. Diesen Roman braucht niemand."
Ihre Rede ist ein Plädoyer für die Vielfalt der Literatur, in der auch das Mittelmaß seine Existenzberechtigung hat. Julia Francks Eröffnungs-Rede steht hier als podcast bereit.