Abschied vom „Kursbuch"

Abschied vom „Kursbuch"
© Hryckowian

Das war's dann wohl: Nach derzeitigem Stand wird das "Kursbuch" mit Nummer 169 nach mehr als vier Jahrzehnten eingestellt.

Im editorial teilte Herausgeber Tilman Spengler mit, dass der Holtzbrinck-Verlag mit der aktuellen Ausgabe die Finanzierung des viermal jährlich erscheinenden Periodikums beendet. Am Freitag bestätigte schließlich eine Verlags-Sprecherin die Entscheidung:

"Die Zeitschrift sei zwar ein 'sehr renommiertes Produkt', aber es habe 'keine wirtschaftliche Basis' mehr gegeben. Die Auflage habe zuletzt deutlich unter 10.000 Exemplaren gelegen. 'Zu wenig Menschen haben sich noch dafür interessiert.' Das "Kursbuch" war 1965 von Hans Magnus Enzensberger gegründet worden und prägte über Jahre den links-intellektuellen Diskurs in der alten Bundesrepublik mit." Quelle: Stuttgarter Nachrichten

Bereits am Donnerstag verabschiedete sich das Blog "Die Achse des Guten" vom "Kursbuch", das, so der Verfasser Richard Wagner, spätestens durch den im Holtzbrinck-Verlag vorgenommenen Relaunch, mit der ursprünglichen Zeitschrift nichts mehr gemein hatte.

In der taz erschienen gleich drei Nachrufe, verfasst von Alexander Cammann, Dirk Knipphals und Jan Feddersen, die der Frage nachgingen: Wird das Kursbuch fehlen?

… dieser Frage widmete sich das Goethe-Institut bereits im Oktober 2004, als das "Kursbuch" nach dem Aus seitens Rowohlt (hier erschien das Kursbuch von 1990 bis 2004) auf der Suche nach einem neuen Verlag war – und kam zu folgendem Schluss: Dem Kursbuch sei die Stellung als Seismograph der Gesellschaft abhanden gekommen. Die aktuellen Debatten würden nun eher in den Feuilletons der großen Tages- und Wochenzeitungen geführt.

Wolfgang Platzeck von "Der Westen" siedelt in seinem Kommentar vom Freitag vergangener Woche die Gründe für den schleichenden Bedeutungsverlust des "Kursbuchs" bereits in den 70er Jahren an. Verursacht durch eine sich in unzählige, neue Gruppierungen zersplitterten Studentenbewegung, hätte die Programmatik des Magazins der sich verändernden Bewusstseinslage immer wenige entsprochen.

Herausgeber Tilman Spengler, dem heute, Montag, in München der "Große Münchner Literaturpreis" nicht zuletzt wegen seiner jahrzehntelangen Verdienste um das "Kursbuch" verliehen wird, sucht in einem Interview mit der SZ nach Antworten zum Aus für das "Kursbuch", räsoniert über die kurze Halbwertzeit von Geschenken und bekräftigt sein Interesse, mit einem neuen Verlag das "Kursbuch" weiter fortführen zu wollen.


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